Customize

Transkript: "In den Fängen von Scientology"

Discussion in 'Translation and Text Composition Projects' started by Anonnona007, Apr 25, 2010.

  1. Anonnona007 Member

    Transkript: "In den Fängen von Scientology"

    Thx dispart for finishing Part 5! - this is included in OP now. Any alternative versions or corrections are of course welcome. As are any attempts to turn this into subtitles.

    Structure of german transcript & translation:
    Part 1 (0:00 - 7:00), Part 2 (7:00 - 10:30), Part 3 (10:30 - 15:08), Part 4 (15:08 - 20:00), Part 5 (20:00 - 29:05), Part 6 (29:05 - End).


    Link to vid: [ame="http://vimeo.com/11170254"]Video[/ame]

    Moderator: Was ist Scientology? - Ist es eine Kirche, ist es eine Sekte, oder möglicherweise einfach nur eine gefährliche Psycho-Firma. Wir lesen viel darüber, spekulieren viel darüber; heute wird uns eine junge Frau und Mutter ein klein wenig Gefühl dafür geben, wie schnell vermutlich jeder von uns in die Fänge von Scientology geraten kann, weil das System nämlich auf eine ganz perfide Art und Weise arbeitet.

    ---

    Sprecher: Für Eltern ist es kaum vorstellbar, dass sich ihr Kind plötzlich von ihnen abwendet. Margot Clevé ist es passiert. Ihre Tochter Elka hatte sich in einen Mann verliebt; was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Er ist Scientologe. Nach einem halben Jahr Beziehung rutscht Elka immer tiefer in die Fänge der Organisation; denn die Mutter ihres Freundes ist in einer Führungsposition bei Scientology. Margot findet kaum noch Zugang zu ihrer Tochter.

    Mutter: Dieser Freund hat einen solchen Einfluss gehabt, dass wir gar keinen Einfluss auf unsere Tochter mehr hatten. Wir hatten auch keinen Zugang mehr. Sondern das war wie eine Marionette.

    Sprecher: Um ihren Freund und sein Leben besser zu verstehen, beginnt Elka – mit einer Portion naiver Neugier - die Bücher des Gründers von Scientology, L.R. Hubbard, zu lesen.

    Elka: … und hatte dann ohne Ende Fragen zu den Büchern, die ich da liegen hatte, und wurde immer an seine Mutter verwiesen, die mir das dann immer alles so schön erklärt hat, dass ich es dann auch verstanden hab' - und so wurde die Hemmschwelle dann abgebaut.

    Sprecher: Ihr Freund überredet sie zu sogenannten Auditings - erst bei sich im Wohnzimmer, später in den Räumen von Scientology. Heute sagt Elka, es waren abartige Gesprächstherapien an einem Lügendetektor.

    Elka: Es hat schon viel von nem Strafverfahren mit Gehirnwäsche. Das fällt einem – das ist einem in dem Moment auch bewusst und man hat auch doll Angst.

    Sprecher: Trotz Angst: Elka wird schwanger und bleibt bei ihrem Freund. Er und die Organisation wollen immer noch mehr Kontrolle über ihr Leben. Zu dieser Zeit steht Elkas Mutter in engem Kontakt mit einer Sektenexpertin. Mit der Hilfe und Unterstützung ihrer Mutter und der Expertin, schafft Elka den Ausstieg.

    ---

    Moderator: Ja, und wir begrüssen Sie zunächst mal sehr sehr herzlich. Elka Clevé, Margot Clevé und Wilfried Handl, den Ex-Scientology Chef aus Österreich - herzlich willkommen ihnen allen.
    Elka, wir haben eben gesehen in diesen Bildern - ihr Kind, ihr Sohn, 5 ½ Jahre alt, war nicht dabei – warum nicht?

    Elka: Er war noch nicht geboren.

    Mod: Ich meinte jetzt in diesen Aufnahmen war ihr Kind noch nicht dabei, warum …

    Elka: Ach so … weil ich nicht möchte, dass die wissen ...

    Mod: … warum ist es ihnen so wichtig, dass ihr Kind [nicht] in diesen Bildern auftaucht?

    Elka: Ich möchte nicht, dass die ihn erkennen, dass die ihn entführen können, dass die Kontakt zu ihm aufbauen können.

    Mod: Ist das tatsächlich eine begründete Angst, die sie haben, dass man ihnen irgendwann, auf welche Art und Weise auch immer, ihr Kind wegnimmt?

    Elka: Es war der Grund, warum ich überhaupt angesprochen wurde, dass ich ein Kind in die Organisation bringe.

    Mod: Erklären Sie uns das – der Grund warum sie angesprochen worden sind.

    Elka: Ich wurde rekrutiert, mit dem – ja, ich sollte ein Kind in die Organisation bringen.

    Mod: D.h. sie haben die Vermutung, ihr Ex-Freund hat sie nur zu diesem einen Zweck angesprochen: Er wollte, sozusagen dafür sorgen, dass Sie mit ihm gemeinsam Nachwuchs bekommen, um dann ein Kind für Scientology auf die Welt zu bringen?

    Elka: Ja.

    Mod: Was macht sie da so sicher?

    Elka: Es sind Akten aus Amerika aufgetaucht, die das belegen.

    Mod: Was steht in diesen Akten drin?

    Elka: In den Akten steht, wie mit mir verfahren werden sollte. Und wie ich geködert werden sollte.

    Mod: Wie sollten sie geködert werden?

    Elka: Es gibt relativ viele verschiedene Mechanismen. Bei uns hat es mit dieser Beziehung angefangen, die aus diesem Grund aufgebaut wurde. Mir wurde mein Selbstbewusstsein genommen, ich wurde doll in Arbeit gehalten. Also ich musste jede Menge Jobs machen um unser Leben zu finanzieren. Ich war für sein Wohl verantwortlich, plötzlich.

    Mod: Mit welchem Lebensgefühl sind sie heute auch jetzt hier in dieser Sendung? Haben sie tatsächlich Angst, ist das das dominierende Gefühl in ihrem Leben, im Augenblick?

    Elka: Nicht mehr ausschliesslich, nein, Gott sei Dank -

    Mod: Aber sie hatten Angst ...

    Elka: - aber es ist 5 Jahre her, inzwischen, und, inzwischen regelt sich das ein bischen, ja. Das hab' ich aber nur, weil ich ein gutes Umfeld hab'.

    Mod: Mhm. Wir werden ihre unglaubliche Geschichte gleich im Detail nochmal hören. Herr Handl, ich würde sie gerne an dieser Stelle fragen wollen: Ist diese Angst begründet. Also eine Mutter, die hier sitzt, und sagt: Ich habe Angst, dass mir mein Kind erstens irgendwann weggenommen wird und zweitens: Ich hab die Vermutung, ich bin regelrecht geködert worden, rekrutiert worden, um ein Scientology-Baby, so nenne ich das jetzt einfach mal, auf die Welt zu bringen.

    Wilfried Handl: Ja, das eine, also sprich, dass sie so ganz gezielt angesprochen wird, das ist im Einzelfall sicher möglich, ist aber nicht der Usus, wenn sie so möchten. Auf der einen Seite - auf der anderen Seite: Die Angst ist durchaus berechtigt, also ich kenne aus meiner Beratungspraxis sehr viele Fälle, wo es ähnlich abläuft, wo also geschiedene Frauen ... wo der Vater nach wie vor Scientologe ist, die Kinder dann, wenn sie 14, 15, 16 sind, beginnt sie anzusprechen, sie für Scientology zu rekrutieren. Das ist, wenn sie so möchten, ein Muss für jeden Scientologen.

    Mod: Warum ist es ein Muss? Weil sie die Aufgabe haben, zu missionieren?

    WH: Naja, also man darf sich das jetzt nicht vorstellen, also, mit normaler Missionierung, sondern jeder Scientologe ist verpflichtet, sein Fleisch und Blut zu Scientology zu bringen. Das ist, wenn sie so wollen, die höchste Maxime; oder er wird eben verstossen auf ewige Zeiten; da gibt es eben diesen Begriff „Unterdrückerische Person“, also man hat dann keinerlei Kontakt mehr.
    Es gibt also so diese zwei Extreme, also dieses schwarz-weiss Denken.

    Mod: Warum ist es so wichtig, jetzt genau dieses Kind auch, sozusagen, im Kreise dieser Sekte, nennen wir es jetzt einfach mal, dieser Psychofirma - zu halten. Man könnte doch einfach sagen: Diese Beziehung ist in die Brüche gegangen, das Kind ist weg, das ist auch juristisch alles einwandfrei verhandelt, und wir geben das einfach auf. Warum ist es so wichtig, keinen Einzelnen verloren zu geben?

    WH: Naja, man muss das so sehen: Scientologen sind Fanatiker. Und jeder Fanatiker ist felsenfest überzeugt von dem was er tut. Und ich kenne z.B. also einen ganz konkreten Fall, da liessen sich zwei Personen scheiden – kommt ja vor - und der Mann sagte zu seiner nunmehrigen Ex-Frau: Also, das wir uns scheiden liessen, das war ok, mit dem könnte er leben, aber sie Scientology auch verlassen wollte, das findet er also einfach furchtbar. Und zwar aus der Logik, unter Anführungszeichen, heraus: Scientologen glauben eine Elite zu sein, die wenn sie so möchten, den Stein der Weisen besitzt, als Einzige. Und die glauben das wirklich, also die leben exakt nach dem, und insofern ergibt sich dann so etwas.

    === End Part 1 === 07:00 ===

    Mod: Frau Clevé, teilen sie die Sorgen und Ängste ihrer Tochter?

    Mutter: Ja.

    Mod: Wie hat sich ihr Kind, ihre Tochter, verändert, als sie diese Beziehung zu diesem Mann einging, der, wie sich dann hinterher herausstellte, ein wichtiges Mitglied bei Scientology war?

    Mutter: Sie wurde marionettenhaft. Also sie war ständig unter Kontrolle, weil wohin sie auch ging, er kontrollierte das alles. Per Telefon, oder er war zufällig gerade um die Ecke, also er wusste immer wo sie war, was sie machte. Und man konnte im Grunde mit ihr nicht mehr richtig reden, weil sie immer für mich auswendig gelernte Antworten gab auf alle Fragen.

    Mod: Auswendig gelernt, sagen sie.

    Mutter: Ja.

    Mod: Was heisst das?

    Mutter: Sie war auf alle Fragen vorbereitet. Also ich wusste relativ wenig über Scientology, hab dann relativ schnell aber angefangen zu recherchieren und wann immer ich irgendwelche Fragen hatte, dann bekam ich sofort fertige Antworten. Und die waren nicht ihre eigenen Antworten, sondern sie war regelrecht gebrieft worden.

    Mod: Ist das so, hatten sie einen richtigen Antwortkatalog, also für den Fall der Fälle, dass plötzlich Fragen aus der engeren Umgebung kommen, kritische Fragen; hat man dann die Antworten parat?

    Elka: Ja.

    Mod: Was sind das für Antworten?

    Elkla: Die sind vorgegeben in Büchern, zum Teil. Wenn sie hinterfragt wurden - ich durfte ja nur mit meiner Schwiegermutter sprechen über sowas - dann wurden mir Antworten gegeben: Das kannst Du sagen, dann wird nicht weiter gefragt, und so.

    Mod: Was sagt man, wenn da eine kritische Frage kommt, zu dem Thema?

    Elka: Also alles was man an Informationen findet, was nicht von Scientology selber kommt, ist sowieso vom Grund her gelogen. Es sind immer Menschen, die Scientology schaden wollen. Man muss immer antworten, dass es einem unglaublich hilft, und dass man sich viel besser fühlt, seit man das macht, und so. Und wenn dann jemand sagt, das glaub ich nicht, weil du siehst doof aus, dann stimmt das nicht.

    Mod: Sie haben sich ja auch rein äusserlich sehr sehr verändert; sie haben ja ihre Tochter rein äusserlich kaum noch wiedererkannt – warum nicht?

    Mutter: Sie war ein völlig anderer Mensch geworden.

    Mod: Sie hat sich plötzlich auch anders gekleidet, also ...

    Mutter: Sie hatte eine andere Frisur, sie hat sich anders gekleidet, es war alles vorbestimmt und das war ja bei ihm auch ganz genau so, also als er sozusagen auf Rekrutierungs-Tour war, war er ein ganz anderer Typ.

    Mod: Jetzt führen wir dieses Gespräch heute Abend hier, weil wir nicht nur ihren Fall hören wollen, sondern weil wir auch den Menschen draussen auch ein bischen das Gefühl geben wollen: Wie war das möglich? So wie ich sie erlebe sind sie eine selbstbewusste junge Frau, die sich nicht fremdbestimmen lässt, die sehr genau weiss, was sie in ihrem Leben will. Wie hat es diese Organisation geschafft, sie dennoch da reinzuziehen? Sie haben irgendwann in einer Bar hier in Hamburg einen Mann kennen gelernt.

    Elka: Ja.

    Mod: Diesen Mann fanden sie zunächst mal sypathisch -

    Elka: Der war sympathisch.

    Mod: Der war sympathisch - haben sich sehr schnell ineinander verliebt, sind dann auch zusammengezogen – wie ging's dann weiter?

    Elka: Also zunächst mal geht - ging alles unglaublich schnell. Und auch so schnell, dass ich nicht viel Zeit hatte, um drüber nachzudenken. Zum Zweiten wusste er genau, wo er mich packen kann. Also ich bin z.B. eher ein praktischer Mensch. Dann - das wusste er sofort.

    Mod: Was heisst das, praktischer Mensch? Also wie hat er sie da gekriegt?

    Elka: Naja, das war so, dass ich sowieso umziehen wollte, und dann war es plötzlich viel praktischer nach einer Woche schon bei ihm einzuziehen. Hatte er ja recht, war praktischer, weil wir ziehen ja eh irgendwann zusammen. So, eher war's.
    Und wenn kein Geld da ist, dann muss halt jemand mehr arbeiten, also [da hab ich glaub auch] wie verrückt gearbeitet, so - dass er da gar nichts gemacht hat, selbst darüber hatte ich keine Zeit nachzudenken.

    === End Part 2 === 10:30 ===
    Mod: Wussten sie wer er ist, wussten sie, was der macht, womit der sein Geld verdient?

    Elka: Nein, also ich wusste, dass er hoch verschuldet ist, das war auch ziemlich schnell mein Problem. Schnell, wieder mal. So ...

    Mod: D.h. da gab es Jemanden, der ihnen immer wieder klargemacht hat: Du, ich habe da gerade diesen kleinen finanziellen Engpass, kannst Du mir mal helfen?

    Elka: Nein, ich habe sogar seine Schulden übernommen.

    Mod: Wie hat er das hingekriegt? Sie davon zu überzeugen, dass das doch eine prima Idee ist.

    Elka: Also so im Nachhinein, also jetzt kann ich es mir auch nicht mehr so richtig erklären, ehrlich gesagt, aber im Nachhinein, wenn ich mir das Gespräch anguck, dann war es so, dass er sagte: Da ist irgendwas mit dem Gerichtsvollzieher, und ich sagte: Dann musst du den anrufen, und dann kam irgendwann so eine Summe auf den Tisch. - und ich -

    Mod: Was war das für eine Summe?

    Elka: 27.000 …?

    Mod: 27.000 Euro, das ist eine Menge Geld.

    Elka: Das ist eine Menge … also auch so viel, dass ich es bis heute nicht fassen kann, also alles bis 5000 kann ich mir als Haufen vorstellen, da drüber fällt aus, dann ist halt viel. So. Und ich hörte mich sagen: Aber Geld ist ja kein Grund sich zu trennen, das kriegt man zusammen schon hin. Und am nächsten Tag hatte ich seine Schulden. Weil wir zusammen müssen das ja machen. Und ich hatte ihm ja versprochen, das zu regeln. Hatte ich nicht, war ich aber irgendwie auch so überrumpelt von, dass ich es nicht mehr ...

    Mod: Wenn sie damals gewusst hätten, dass der Mann der da vor ihnen steht, der Mann in den sie sich verliebt hatten, dass dieser Mann Scientologe ist, hätten sie dann anders reagiert?

    Elka: Nein. Ich war überhaupt nicht aufgeklärt. Es gibt Leute, die haben in der Schule mal gehört: Seid vorsichtig, das ist eine Sekte, oder habenirgendwie über verschiedene Religionsgemeinschaften dann in der Schule was gemacht – haben wir nie gemacht. Ich hatte tatsächlich von überhaupt nichts eine Ahnung.

    Mod: Wann haben sie dann zum ersten Mal gemerkt, irgendwas stimmt da nicht und ich muss da mal Fragen stellen, die ich bisher noch nicht gestellt habe.

    Elka: Im Prinzip in der ersten Woche schon, aber es gab ja immer logische Erklärungen. Und es war immer die böse Welt. Er war total unschuldig, er – konnte es auch alles gar nicht ändern und er war auch nicht in der Position da irgendwie was zu machen, aber die böse Welt, die hat ihn schon kaputt gemacht.

    Mod: Wann hat er zum ersten Mal diese Maske fallen lassen und ihnen gesagt: Du, da gibt es etwas, da müssen wir drüber reden, denn wie sich hinterher herausstellte, war dieser Mann der Sohn einer sehr ranghohen Scientologyangehörigen hier in Hamburg. Wann hat er ihnen das zum ersten Mal gesagt?

    Elka: Das war ungefähr nach einem halben Jahr; bis dahin hatte er mich in die Pleite getrieben, wir konnten unserer Miete kaum bezahlen, ich hatte 4 Jobs. Alles was … und das war wirklich schlimm, weil ich hab's geglaubt, ich konnt nichts richtig machen, ich habe sogar die Socken falsch auf die Leine gehängt. Es war einfach nichts mehr da, was ich konnte. ...

    Mod: D.h. der hat sie permanent unter Druck gesetzt.

    Elka: Ja, immer.

    Mod: Warum haben sie das mit sich machen lassen? Aus Liebe?

    Elka: Ja, zum Einen aus Liebe zum Anderen, weil ich gedacht habe, den muss ja nur mal einer lieb haben, dann wird das schon ... so, der entspannt sich schon noch. Und dann gab es auch sehr schnell durch diese Schuldenübernahme und so, keine Möglichkeit mehr, da raus zu kommen – relativ heil.

    Mod: Herr Handl, was wir da gerade hören, ist das etwas, was typisch ist, für diese Organisation, und erklären sie uns doch einmal, was in ihren Augen, als jemand, der ein sehr wichtiger Scientologe in Österreich war und jetzt jemand ist, der genauso vehement versucht, diese Organisation zu bekämpfen: Was ist denn das Gefährliche an dieser Psychosekte. Wir hören dann immer prominente Namen: Tom Cruise und John Travolta und alles mögliche, aber so richtig ein Gefühl dafür, was die so gefährlich macht, kriegen wir nicht. Ist es das Geld, ist es dieses Finanzielle, jemanden auszuziehen finanziell, bis er nicht mehr kann?

    WH: Man muss das so sehen: Also, ihr Schicksal ist im Prinzip ein klassisches Schicksal. Also ich würde mal sagen, 80-90% der Scientologen sind ja nicht in der Frühe irgendwann einmal aufgewacht und haben gesagt: So heute trete ich einer Sekte bei, sondern das ging meist komplett trivial vonstatten. Also wenn ich z.b. mich hernehme, ich hatte damals eine Freundin, die war Scientologin. Und mir sagte Scientology auch nichts und wenn ich rein meine Erfahrung in Scientology hernehme, würde ich so annehmen 80-90% werden auf die Art angeworben und merken am Anfang gar nicht, worum es geht. Und das, worum es geht, wenn sie so möchten, was gefährlich ist an Scientology, lässt sich ableiten an dem Begriff, der eh schon ein paar Mal gefallen ist: Es geht um Kontrolle. Und Scientology versucht Kontrolle - also nicht nur auszuüben, sondern man muss sich das irgendwie vorstellen als Super-Stasi oder so in etwa, also absolute Überwachung bis ins kleinste intimste private Detail.

    === End Part 3 === 15:08 ===

    Mod: Auch finanziell?

    WH: Die finanzielle Geschichte ist im Prinzip, wenn sie so möchten, ein gutes Druckmittel.

    Mod: Gibt es, oder ist es wahr, dass es eine bestimmte Summe gibt, die im Grunde jeder Mensch sozusagen im Laufe seines Weges, seiner Karriere bei Scientology abzuliefern hat. Und wenn ja, wie hoch ist die?

    WH: Nein, also das gibt es nicht, das ist individuell sehr verschieden also es gibt bei manchen sind das 30, 40, 50.000 Euro es sind mir aber auch Fälle bekannt, da sind das mehrere hunderttausend Euro oder sogar Millionen. Also da – die Grenze ist nach oben nicht gegeben. Das hängt also sehr stark davon ab, wie der Einzelne, wenn sie so wollen, bestückt ist, also welche finanziellen Möglichkeiten er hat.

    Mod: Ja, und eben, welche er auch im Zweifel nicht hat. Also, wie wir eben gehört haben, sie hatte diese Möglichkeiten ja nicht, d.h. man ist auch skrupellos genug, auch über diese Möglichkeiten hinaus zu gehen?

    WH: Das ist im Prinzip das was ich vorher gesagt habe: Fanatiker neigen dazu und Scientologen speziell, die wertschätzen, wenn sie so möchten, das Leben oder die Erde an sich nicht, sondern für die gilt das hehre Ziel, für das alles geopfert werden muss, und Geld ist, wenn sie so möchten, die unterste Stufe, von den Dingen, die geopfert werden müssen.

    Mod: So, und dann sagen sie uns noch zum Schluss, bevor wir einmal dann diesen – so einen absurden Test mal miteinander durchmachen, sagen sie uns noch einmal, wer sind denn die Nutzniesser dieser ganzen Geschichte. Irgendwo muss die Kohle ja ankommen. Kam sie bei ihnen an, als Chef von Scientology Österreich?

    WH: Hehe, nein man muss sich das so vorstellen: Als Mitarbeiter von Scientology verdient man irgendwo zwischen 30 und 50 Euro in der Woche. Also die Mitarbeiter, das ist, wenn sie so wollen, Selbstausbeutung was die betreiben, ...

    Mod: Ja ok, aber wo bleibt das Geld?

    WH: Das Hauptgeld kommt auch nicht unbedingt von den Kursen die jemand bezahlt, die Haupteinnahmequellen sind im Prinzip zwei Stränge: Das Eine sind sogenannte Spenden; also jeder Scientologe ist angehalten also so viel Geld wie möglich zu spenden, da reden wir über Summen so um die 200 Mio Euro pro Jahr, die weltweit zusammenkommen und das Zweite sind die sogenannten Copyright-Gebühren, d.h. jeder Scientologe, der quasi das scientologische Material verwendet, zahlt zwischen 10 und 15% seines Umsatzes, also wenn er das in einer Firma anwendet, auch nach Amerika, also da reden wir dann über Grössenordnungen ca. 400 Mio Dollar im Jahr ...

    Mod: D.h., wir können davon ausgehen, da gibt es irgendwo in den fernen USA Menschen, die es sich sehr gut gehen lassen?

    WH: Ich würde sagen, es sind vielleicht 10, wenn es hoch kommt, die also den Griff in die Kasse auch machen können, wobei ich also nicht glaube, dass es klassische Sektengurus sind, ich glaube nicht unbedingt, dass die sich selbst bereichern – sie lassen es sich sicher nicht schlecht gehen, also sie haben sicher massgeschneiderte Uniformen, wurden auch schon in Las Vegas gesehen, haben vielleicht auch schon irgendwo investiert in irgendeinen Junkbond, aber es fliesst auch sehr viel Geld wieder zurück also das ist eine Maschine, die quasi immer am Laufen ist und sie wollen an die ganz grossen Gelder ran.

    Mod: Frau Clevé, sie haben eben geschildert, wie sie irgendwann gemerkt haben, ich verliere meine Tochter auch aufgrund dieser sehr stereotypen Antworten, die sie plötzlich gegeben hat, die Rüschchenbluse, die da plötzlich aus dem Schrank geholt wurde und Ähnliches - was macht man als Mutter in einer solchen Situation?

    Mutter: Also erst habe ich versucht, mich zu informieren. Das hat mich eigentlich dann eher
    verschreckt und dann habe ich auf der anderen Seite natürlich auch gedacht: Sie ist erwachsen, sie
    muss irgendwo auch wissen, was sie tut, aber habe trotzdem versucht, sie also immer
    ein bischen doch zu indoktrinieren und habe dann also angefangen Sachen auszudrucken und ihr hinzulegen oder Bücher von Aussteigern zu kaufen, die habe ich ihr dann in die Hand gedrückt, dass sie die mal liest.

    Mod: Aber dann muss es doch zu relativ absurden Situationen gekommen sein, wenn dann der Schwiegersohn in spe sozusagen dann zum Kaffee zu Hause dann vorbeikommt und gleichzeitig wissen sie: Der ist nicht gut für meine Tochter. Wie begegnet man so einem Menschen?

    Mutter: Der kam so schnell dann gar nicht mehr. Sondern das lief ziemlich schnell auf massive Kräche hinaus, weil er uns natürlich auch ständig um Geld angehauen hat … und aus dem Grunde ...
    und wenn er es nicht kriegte, dann wurde er relativ schnell dann ausfallend, und hat dann also irgendwann das Haus verlassen und kam dann auch nicht mehr.

    Mod: Sie haben sich dann Rat geholt, bei Frau Caberta - sehr bekannte und profilierte Politikerin, wenn es um solche Dinge geht, die Sektenbeauftragte hier in Hamburg, die diesbezüglich
    auch bundesweit Renommé geniesst. Wir wollen kurz reden über dieses sogenannte Auditing, das in dem Film auch eben schon angeklungen ist. Was ist das, was muss sich darunter vorstellen, haben sie sowas auch gemacht?

    Elka: Ich habe es gemacht, ja.

    Mod: Was ist das – ein Test?

    Elka: Hm, nein, also ich habe es angefangen als Gesprächstherapie eigentlich eher. Also man sitzt mit einem anderen Menschen in einem relativ kleinen Raum und man hat zwei Dosen in der Hand und bei dem anderen schlägt eine Nadel aus. So - auf Fragen.
    Und - mir wurde erklärt was das messen soll und so, es war mir aber ehrlich gesagt relativ egal. Mir ging es darum mit jemand zu sprechen und das war die einfachste Variante.

    Mod: Hatten sie denn das Bedürfnis mit jemand zu sprechen?

    === End Part 4 === 20:00 ===

    Elka: Ja.

    Mod: Warum?

    Elka: Weil mir schon klar war, dass das irgendwie irre ist, was da läuft.

    Mod: Gut, aber man spricht dann doch nicht mit dem Teufel persönlich, sondern...

    Elka: Ich hatte aber keinen mehr. Mit meinen Eltern durfte ich keinen Kontakt haben, zu meinen Freunden durfte ich keinen Kontakt haben, es war ja niemand mehr da. Wenn ich mit dem Vater meines Kindes gesprochen hab, dann wurde es alles nur noch viel schlimmer, ...

    Mod: Hm-mh. das heisst, Sie haben dann bei denen eine solche Gesprächstherapie, so haben Sie's begriffen, mitgemacht.

    Elka: Ja, es war erst mein Schwiegervater, der gesagt hat: "Ich kann gerne mit Dir sprechen, aber dann machen wir's vernünftig, und dann machen wir's nach richtigen Regeln" und das haben wir dann gemacht.

    Mod: Welche Fragen wurden denn da gestellt?

    Elka: Och, mit meinem Schwiegervater war das erst irgendwie, da ging's ums Wetter und... um lauter Schwachsinniges, also nicht schwachsinnig, aber beiläufige Sachen. Haben wir auch viel gelacht, war ganz witzig in dem Wohnzimmer.

    Mod: War so'n lustiger Test.

    Elka: Ja.

    Mod: Also, die Vorstellung, dass da jemand sitzt mit zwei, ich sag mal, Cola-Dosen in der Hand von denen dann Kabel einfach weggehen und beantwortet Fragen zum Wetter oder ähnlich banales Zeug stell ich mir in der Tat relativ lustig vor. Wir haben ein solches Gerät hier. Herr Handl, erklären Sie uns einmal kurz, was das ist.

    WH: Ja, man muss vielleicht eines vorausschicken: Ein Dogma von Scientology ist, dass der Mensch, oder jeder Mensch, so etwas wie eine elektrische Ladung hat, ja? Gespeichert hat, und diese elektrische Ladung verhindert, dass jemand erfolgreich, glücklich oder was auch immer ist. Und das zweite Dogma, das Hubbard …

    Mod: Das heisst also, jeder von uns trägt diese Ladung mit sich herum; eine Ladung Schmerz, eine Ladung Trauma, eine Ladung …

    WH: Wo alles Negative drin ist, also im Prinzip, also wenn jemand einen Raum betritt, der schüchtern ist und drinnen sind sehr viele Mädchen und er wird rot, sagt Scientology, ja: Du wirst rot …

    Mod: Das Problem habe ich häufiger, geben sie mir das doch mal rüber, ja? Schieben sie doch mal rüber.
    So, also das ist dieses Gerät, das sie auch so kennen, Frau Clevé? Ja? Was muss ich jetzt machen? Ich fasse das Ding an? Einfach hier?

    WH: Sie nehmen die Dosen in die Hand, also in einer … in einer ...

    Mod: Können wir mal zeigen, was das ist, also das ist … innen hohl, da ist nichts drin.

    WH: Genau, das sind im Prinzip Gemüsedosen, oder Suppendosen oder... obwohl, das ist jetzt die modernste Version, also früher haben sie noch furchtbarer ausgesehen. Also, wenn man so möchte, 50er Jahre Stand ...

    Mod: So, ich muss das jetzt so in die Hand nehmen?

    WH: Genau, Sie halten das in der Hand...

    Elka: Ganz locker.

    Mod: Ganz locker

    Elka: Ganz locker.

    Mod: Ja, ganz locker. Was haben sie da vorne für eine Apparatur, was sagt ihnen die?

    WH: Im Prinzip ist das eine Art Hautwiderstandsmesser. Das Prinzip stammt eigentlich aus dem 19. Jahrhundert …

    Mod: Ein Lügendetektor, oder?

    WH: Ja, es wurde in den 50er Jahren als Lügendetektor von der Polizei verwendet. C.G. Jung hat Anfang des 20. Jahrhunderts auch damit experimentiert, hat es aber dann blitzartig verworfen, weil er dann festgestellt hat: Ok, es gibt eine Nadelreaktion – nur was bedeutet die jetzt? Und was Scientology macht: Damit bin ich wieder im Prinzip bei dem was ich vorher sagte: Es geht um Kontrolle. D.h. in dem Moment wo das Gerät, dieser Lügendetektor bestimmt, was passiert oder was richtig ist oder falsch ist, kontrolliere ich sie komplett.

    Mod: So, ich komme jetzt also zu ihnen rein, sie sind jetzt angenommen noch der große Scientologe in Österreich, und sage: Ich habe da ein Interesse, ich bin schüchtern, können sie mir helfen? So, und jetzt stellen sie mir Fragen – wie läuft sowas ab?

    WH: Naja, im Prinzip läuft das so ähnlich ab, wie sie es begonnen hat und geht natürlich dann noch ein bischen weiter, das firmiert meistens unter dem Namen "Lebensreparatur"

    Mod: Lebensreparatur - mit diesen zwei Dosen hier.

    WH: Genau.

    Mod: Ok. Dann reparieren Sie mal. Reparieren Sie mal mein Leben.

    WH: Da werden Fragen gestellt, ob sie irgendwelche traumatische Erlebnisse – wobei die nicht so direkt gestellt werden, einfach - da würde ich sie auffordern: Erzählen sie mal in ihrer Jugend oder irgendwelche schulischen Erlebnisse, oder irgendwelche Dinge, die sie belasten, Stress-Elemente, und dann würde ich dabei immer auf das E-Meter schauen, auf den Kasten, und wenn diese Nadel nach rechts blitzartig runterfällt, dann würde ich sagen: Da ist mehr – als Scientologe würde ich das sagen, ja?

    Mod: Und sie haben in einem sehr interessanten Buch, das sie zu dem Thema geschrieben haben, eine ganze Liste von solchen Fragen auch aufgeschrieben. Stellen sie mir doch mal 4 oder 5 solcher Fragen.

    WH: Da muss ich eines dazu sagen, also diese Fragen, die ich ihnen jetzt stelle, das ist eine so genannte Sicherheitsüberprüfung, ein „Sec-Check“, da gibt es zwei Varianten: Die eine Variante ist, die wird quasi im Auditing gemacht, und zwar muss man da auch wieder voraus schicken, also Scientologen gehen davon aus, dass wenn sie alle ihre schlechten Daten "beichten" – unter Anführungszeichen – dann werden sie befreit, glücklicher und so weiter, und die zweite Variante ist: Das wird als reines Polizeiverhör gemacht, und da bekommt man auch, wenn es so eine Sitzung gibt, vorher gesagt: Ich auditiere dich nicht. Weil, das sind dann reine Ethik-Maßnahmen, und diese Fragen ...

    Mod: Ethik, Ethik-Massnahmen – ok.

    WH: Wobei "Ethik", das darf man also nicht verwechseln, das hat nichts zu tun mit der normalen Ethik

    Mod: Ethik, die … (WH: scientologische Ethik) nach Scientologen-Maßstäben funktioniert

    WH: Und diese Fragen ...

    Elka: Ganz kurz: Was wirklich gefährlich ist, und das habe ich am Anfang auch unterschätzt bildet sich tatsächlich ein, dass dieser E-Meter funktioniert. Man sitzt tatsächlich da und also das hatte ich jetzt so in den ersten Sitzungen nicht, aber relativ schnell sass ich da und hatte das Gefühl: Die sehen wirklich, ob ich lüge und ob ich irgendwas erzählen muss. Ob das nun wirklich wirkt oder nicht, spielt dann gar keine Rolle mehr.

    Mod: Und es wird einem vermutlich Angst und Bange, wenn man das Gefühl hat, dass jemand plötzlich...

    Elka: Ja, sie wissen sowieso alles, dann kann ich es auch einfach gleich erzählen.

    Mod: ...Kontrolle über deine Gehirnströme bekommt. Was bezweckten die denn damit, Herr Handl?

    WH: Es ist die perfekte Kontrolle, also ich empfehle immer, wenn jemand wissen möchte, wie es in Scientology abgeht, gibt es ein wunderbares Buch, vom George Orwell: "1984", ja, Big Brother, das ist die Idee, ja.

    Mod: Big Brother, das ist die Idee dabei.

    WH: Das ist die Idee, ja.

    Mod: Also, dann reparieren sie jetzt doch mal kurz mein Leben. Vier Fragen.

    WH: Ich stelle ihnen einfach, die sind jetzt aus dem Zusammenhang gerissen aus einem Fragenkatalog von 100 Fragen – da stelle ich ihnen jetzt ein paar Fragen, und zwar die erste Frage ist: Waren sie jemals Zeitungsreporter?

    Mod: Ja.

    WH: Gut, E-Meter tut nichts.

    Mod: Doch! Das hat reagiert wie ...

    WH: Nein, das war harmlos.

    Mod: Ach, das war harmlos. Dann ist ja gut.

    WH: Die zweite Frage: Haben sie jemals etwas getan, wofür sich ihre Mutter schämen würde, wenn man es herausfindet?

    Mod: Ich würde sagen - ich würde sagen: Nein.

    WH: Schaut gut aus, ja?

    Mod: Schaut gut aus, ok.

    WH: Die dritte Frage …

    Mod: Aber das ist jetzt aber … das klingt jetzt so lustig und harmlos, aber das sind genau diese Fragen, die da gestellt werden.

    WH: Genau – nur ist der springende Punkt, man darf das nicht verwechseln auch wenn man jetzt ein bischen, wenn man so möchte, lustig macht: Das ist todernst, ja.
    Und das wird also runter- ..., repetitiv quasi immer wiederholt, da wird gebohrt – und da zum Beispiel die nächste Frage: Hatten sie jemals unfreundliche Gedanken über einen Scientologen?

    Mod: Ui …!

    WH: Das war … gell … jaja …

    Mod: Hab ich schon oft gehabt. Immer wenn ich John Travolta Filme sehe, zum Beispiel … was, … was heisst denn das jetzt? Jetzt ging die Nadel richtig nach oben, ich habe das hier über den Bildschirm gesehen.

    WH: Also, das heisst im Prinzip, jetzt in einer richtigen Sitzung – jetzt egal, welche Variante würde man jetzt sagen: Ok, erzählen sie mir darüber, ja. Das heisst, sie müssten jetzt auspacken, im wahrsten Sinne des Wortes, wenn sie also das nicht machen würden, würde ich so lange weiter bohren, bis ich eben die ganze Wahrheit wüsste, woher das kommt.

    Mod: Ok, eine letzte Frage noch - haben sie noch eine?

    WH: Eine habe ich noch: Haben sie jemals etwas gestohlen?

    Mod: Äh, äh, stop, stop, stop!

    WH: Da war die Nadel gleich weg... wieder dasselbe Prozedere, das heisst, ich würde da mal da nachhaken: Also lieber Herr Lanz, also bitte sehr, erzählen sie mal, ja ...

    Mod: Weisse Badelatschen habe ich mal mitgenommen … im Hotel … habe ich auch schon mal erzählt (WH: Ok), ok.

    WH: Gibt es da noch was; wir spielen das jetzt so lange ... ich würde das so lange weiterspielen...

    Mod: Und dann gehen Sie da richtig rein... und es gibt da aber auch unglaubliche Fragen es geht dann weiter. Ich habe mir da ein paar angekreuzt, die auch mal ein bischen diese Gedankenwelt klar machen: Haben sie jemals Geschlechtsverkehr mit dem Mitglied einer anderen Rasse gehabt? ... beispielsweise, auf sowas erwarten die dann eine Antwort, oder auf die Frage: Hatten sie jemals was mit Kommunismus zu tun? Was passiert wenn ich "ja" sage? - schlecht.

    WH: Schlecht, ja.

    Mod: Ist 50er Jahre, oder? McCarthy... (WH: McCarthy, ja.) in den USA. Oder beispielsweise, auch sehr interessant: Hatten sie jemals irgendeine Verbindung zu einem Bordell? Warum ist diese Frage wichtig?

    WH: Ja, Sexualität ist im Prinzip ein großes, weites Feld, das immer wieder abgeklappert wird und wo jeder im Prinzip angebohrt wird von allen Seiten und daher gibts auch sehr viele Fragen zur Sexualität und das ist so eine typische.

    Mod: Andere Frage, letzte: Hatten Sie jemals etwas mit einem Kinderheim zu tun? Was ist das für eine Frage, warum ist die von Relevanz?

    WH: Naja - Pädophile zum Beispiel ...

    Mod: Das heisst, wenn ich jetzt sage, ich hatte da mal was zu tun, dann … dann ...

    WH: Dann hakt man nach: Was haben sie da zu tun, oder was hatten sie zu tun usw. - Ziel und Zweck dieser Liste ist, soviel wie möglich über jemand herauszufinden. Ja, also man ist dann im Prinzip der gläserne Mensch und das was ich auch im Prinzip festgestellt habe: Die meisten Scientologen – es redet zwar keiner drüber, ja ... man muss sich vorstellen, solche Fragenkataloge arbeitet jeder Scientologe, würde ich mal sagen, zwei pro Jahr ab - mindestens, ja.
    Und das stapelt dann in Akten, also da wird dann mitgeschrieben, also da gibt es ja komplette Aufzeichnungen - und das hält bei der Stange.

    === End Part 5 === 29:05 ===

    Mod: Frau Clevé, jetzt haben wir eben gehört wie ihre Tochter auch mit Hilfe solcher sogenannter Auditings langsam, langsam immer tiefer da reingerutscht ist. Irgendwann hat sie ihnen mitgeteilt: Ich bin schwanger, ich kriege ein Kind von diesem Mann. Wie haben sie da reagiert, als Mutter?

    Mutter: Relativ entsetzt.

    Mod: Und haben was versucht, um diese Verbindung möglicherweise doch noch zu lösen – eigentlich wäre naheliegend, dass man da irgendwann heiratet.

    Mutter: Den Rat, den wollte ich nun nicht so unbedingt geben, sondern das war einfach so, dass ich dann mehr Kontakt hatte zu Frau Caberta und die hat uns, ich würde mal sagen, einen Katalog mitgegeben wie wir uns zu verhalten haben. Also, unsere Tochter …

    Mod: Wie haben sie es angestellt, wie haben sie ihr Kind … weil das ist ja auch der Sinn und Zweck, ein bischen, dieses Gesprächs hier, zu verstehen, wie rutscht man a) rein und b) wie kriegt man sein Kind möglicherweise dann da wieder raus.

    Mutter: Ja, das ist der Tip gewesen, sie finanziell nicht mehr zu unterstützen, sondern ...

    Mod: Also erstmal diesen Geldfluss zu kappen …

    Mutter: Ja, den zu kappen. und trotzdem für sie da zu sein. Aber nur für sie. Also alles was an guten netten schönen Dingen passieren kann, mit ihr gemeinsam machen, und ja den Faden nicht reissen zu lassen. Sondern sehr wohl da zu sein, aber keine finanzielle Unterstützung mehr, kein Geld mehr - wenn dann nur in Naturalien und nur Dinge, die für sie ganz persönlich oder für das Kind sind.

    Mod: Wie war denn die Reaktion, als dann dieser Geldzufluss plötzlich gekappt wurde?

    Elka: Er wurde nicht ganz so plötzlich gekappt, sondern es war – er wurde Zweck gerichtet weiter gegeben also es wurde z.B. unserer Miete bezahlt, aber wir haben das Geld nicht mehr gesehen.

    Mod: Haben sie was von diesen Aktionen der Mutter im Hintergrund mitbekommen?

    Elka: Nein, nein.

    Mod: Aber irgendwann wurde das dann – ich kürze das jetzt nur mal ein bischen ab und fasse das zusammen: Irgendwann wurde das dann bekannt und die Zentrale von Scientology hat mitbekommen dass sie Kontakt zu Frau Caberta haben. Wie haben die dann reagiert?

    Elka: Also der Vater meines Kindes war ja Gott sei Dank nicht mehr da und das Kind war auch schon geboren. Ich hatte wieder mehr Kontakt zu meinen Eltern, weil er nicht mehr so den Einfluss hatte und es auch nicht mehr so kontrollieren konnte, ich war aber trotz ...

    Mod: Wo war der Vater zu dem Zeitpunkt, warum war der nicht mehr da? Sie hatten sich getrennt ...

    Elka: Nein, der wurde versetzt nach Kuweit.

    Mod: Von Scientology?

    Elka: … für eine Scientolgy-Firma, ja. Und, ich war aber im Auditing und habe es dann im Auditing erzählt, dass meine Mutter bei … also ich fand es auch gar nicht schlimm, dass sie da war. Mir sagte der Name jetzt nicht so fürchterlich viel, dass das jetzt also so ein Feind mit Hörnern auf dem Kopf ist war mir wieder mal nicht klar. Weil auch die Informationspolitik innerhalb von Scientology: Jeder kriegt immer nur das Allerwichtigste mitgeteilt, im Prinzip, also man weiss unheimlich viel nicht in dem Moment, in dem man da aktiv ist. Und ich hatte – habe es dann halt erzählt, also ich fand es auch nicht so schlimm. Und dann war ich also – dass ich sofort im Security-Check und war sofort richtig Alarm.

    Mod: Sie waren plötzlich Staatsfeind Nr. 1

    Elka: Naja, Staatsfeind Nr. 1 nicht, aber es war richtig Druck, es waren plötzlich Leute in meiner Wohnung und so, es war schon …

    Mod: Was heisst das, wie übt man da Druck aus, stehen da Leute einfach vor der Tür?

    Elka: Es stehen Leute vor der Tür, ich wurde zu Auditings abgeholt, ich sass im Security-Check, ich wurde ... - es wurde telefoniert ohne Ende. Meine Schwiegerfamilie stand wieder vermehrt da, und so ...

    Mod: Was sagen die ihnen, bedrohen die sie? Ist das das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche, mal nett, mal mit Drohung?

    Elka: Auch, aber es war vor allen Dingen ein Zurückholen in die Organisation, mehr; also ich hatte wieder mehr Aufgaben ich sollte mehr Auditing kriegen, ich sollte nochmal mit speziellen Leuten reden – was dann wieder 5 Stunden Wartezeit bedeutet hat, in der einen viele Leute zutexten können - so eher.

    Mod: Wann haben sie dann gemerkt: Ich muss jetzt hier dringend raus, ich muss einen Weg hier raus aus diesem ganzen Sumpf finden, und vor allen Dingen: Wie haben sie ihn gefunden?

    Elka: Also zum Einen habe ich irgendwann Angst gekriegt, weil der Druck wirklich gross wurde. Zum Anderen wussten plötzlich Leute Dinge über mich ... also ich habe tatsächlich die ganze Zeit gedacht, meine Auditing-Akte ist zwischen mir und meiner Auditorin, und dann gibt es dafür noch einen Fallüberwacher.

    Mod: Im Grunde … einen Fallüberwacher?!

    Elka: Einen Fallüberwacher, ja.

    Mod: Ein Fallüberwacher ist - was?

    Elka: Soweit ich das mitgekriegt habe, guckt der sich die Auditing-Sitzungen an, guckt sich die Notizen an und entscheidet dann, was bei der nächsten Sitzung gemacht wird. Und schreibt die Fragen auf, und so.

    Mod: Herr Handl, ist das normal, ja? Das ist Teil dieser ganzen Struktur?

    WH: Naja, um bei unserem Beispiel zu bleiben, also wenn zum Beispiel dieser Fallüberwacher bemerkt, dass sie nicht die ganze Wahrheit gesagt haben als ich sie fragte, ob sie was gestohlen haben, dann würde er schreiben: Nächstes Mal nochmal aufgreifen, da ist noch mehr dahinter. Also das ist so die Aufgabe, die er hat - und insofern ist das richtig geschildert, ja.

    Elka: Es wussten aber plötzlich auch sehr viele Leute sehr … also so intim war es nun auch nicht, weil ich habe nie was Schlimmes gemacht, aber … - zum Glück!

    Mod: Aber sie haben gemerkt, da gibt es viele Leute, die plötzlich über mich …

    Elka: … die plötzlich Bescheid wissen!

    Mod: … sehr genau Bescheid wissen.

    Elka: Ja. Das fand ich schon sehr seltsam, das hat mir auch Angst gemacht. So, und dann bin ich halt einfach nicht mehr hingegangen, ich bin zum Auditing nicht erschienen, ich bin nicht mehr ans Telefon gegangen.

    Mod: … und haben versucht auf diese Art und Weise Abstand zu gewinnen … ist das gelungen? Oder haben sie immer noch Menschen die vor ihrer Tür stehen, die sie irgendwie anrufen, belästigen, bedrohen, wie auch immer.

    Mutter: Also wir sind nie bedroht worden, wir sind nie belästigt worden, zumindest nicht so, dass mir das aufgefallen wäre. Also bei uns, bei meinem Mann und bei mir ist nichts gewesen – glaube ich.

    Mod: Wie sind sie dann letzten Endes rausgekommen – es gab dann irgendwann auch nochmal einen Gerichtstermin – warum?

    Elka: Das Umgangsrecht für das Kind wurde eingeklagt.

    Mod: … festgestellt. Und das ist zu ihren Gunsten ausgegangen. Wie haben sie dann diese Verbindung, die es da ja gab, auch zum Kindsvater natürlich, wie haben sie das wirklich
    gekappt, wie gelingt sowas? Wenn man mal so tief da drin ist?

    Elka: Also zum Einen habe ich eine Familie gehabt, die da war. Das ist glaube ich das Allerwichtigste. Und die auch vorwurfsfrei da war, immer. Und ich habe mich tatsächlich
    doll daneben benommen zum Teil und es kamen trotzdem keine Vorwürfe, bis heute nicht.
    Also ich musste keine Angst haben, zu denen zu gehen und zu sagen: Ich brauche Hilfe. Ich habe grossartige Unterstützung von der Innenbehörde gekriegt. Ohne die...

    Mod: Sie standen teilweise unter Polizeischutz ...

    Elka: Ja.

    Mod: Warum?

    Elka: Weil es eine Morddrohung gab, gegen die Innenbehörde, gegen mich, gegen alle am Fall Beteiligten.

    Mod: Anonym?

    Elka: Nein, das war der Vater meines Sohnes.

    Mod: Ganz offiziell, also sie ...

    Elka: Ja, ja, der hat auch bei der Innenbehörde angerufen, ja.

    Mod: Und hat – was gesagt?

    Elka: Und hat gesagt: Ich bringe euch um.

    Mod: Sohn, und sie.

    Elka: Alle am Fall Beteiligten.

    Mod: Trauen sie dem das zu?

    Elka: Ja, er hat ja hinterher im Verhör gesagt, dass sie den Falschen festgenommen haben, „dafür haben wir unsere Leute.“ ...

    Mod: Herr Handl, haben die ihre Leute, für richtige Drecksarbeiten?

    WH: Haben sie, ja. Also im Prinzip, ich würde mal so sagen: Jeder Fanatiker, oder bei jedem Fantiker muss man damit rechnen, letztendlich, ja. Auch wenn vielleicht in Deutschland die Wahrscheinlichkeit geringer ist wie in Amerika, aber ein Fanatiker ist ein Fanatiker.

    Mod: Frau Clevé, wenn es möglicherweise jetzt andere Eltern auch gibt, die zuschauen, die vielleicht auch Kinder haben, die ähnliche Geschichten erleben: Was ist wichtig, worauf kommt es an, wie haben sie diesen Mut gefunden, sich gegen eine solche Organisation, die mit so perfiden Methoden und Mitteln arbeitet, ganz allein dagegen zu stellen?

    Mutter: Also wir waren nicht alleine, weil wir Unterstützung hatten. Das war ganz wichtig. Und alleine hätten wir wahrscheinlich damit auch nicht gut umgehen können. Und die Tips waren eigentlich genau so schon ganz richtig, also vorwurfsfrei bleiben, immer da sein, immer unterstützen. Aber immer nur die Person unterstützen, an der einem was liegt. Also sich nicht in den ganzen Sumpf mit reinziehen lassen … und ganz klar sein auch, also wir hatten damals gesagt, es gibt von uns Unterstützung: Ja, weil das war eine Absprache zwischen uns, aber diese Unterstützung hört auf in dem Moment wenn das Kind geboren ist, denn dann seid ihr eine eigene Familie und dann müsst ihr auf eigenen Füssen stehen. Und das hat dann geheissen, dass der Vater zuständig war. Und das konnte er nicht sein.

    Mod: Warum nicht? Weil er ...

    Mutter: Er hat keine Ausbildung gehabt,

    Mod: … finanziell auch gar nicht dazu in der Lage war.

    Mutter: … gar nicht, er hat keine Ausbildung gehabt, er konnte im Prinzip überhaupt die Familie nicht ernähren. Und da war die Konsequenz dann einfach zu sagen: Ja, wenn das so ist, dann müsst ihr notfalls zum Sozialamt gehen. Aber ihr könnt nicht eure Familie auf uns begründen, das geht eben einfach nicht.

    Mod: Letzte Frage: Wie leben sie heute? Sie haben diese wie auch immer geartete Bedrohung, die da offensichtlich immer noch über ihnen schwebt, wie leben sie damit, vor allen Dingen, was erklären sie ihrem kleinen Sohn, der ja irgendwann mal fragen wird: Wo ist eigentlich mein Papa?

    Elka: Das finde ich rela … also … wenn es nach mir ginge würde ich natürlich sagen: Dein Vater ist ein Arschloch, das will ja aber kein Kind hören, nicht?

    Mod: Genau – Kinder lieben ihre Väter … und brauchen ihre Väter ja dann irgendwann auch.

    Elka: … das kann man einfach nicht machen. Ich kann nur hoffen dass es so lange dauert, dass ich … also wenn er jetzt fragt, sage ich: Dein Vater muss sich um Dinge kümmern, er kann halt gerade nicht da sein. Ich kann nur hoffen, dass es so lange dauert, bis er sich selbst auch Informationen beschaffen kann. Ihm beibringen, sich selbst Informationen zu beschaffen und immer alle Seiten einer Medaille zu sehen. Und auf sein Bauchgefühl zu vertrauen. Weil, hätte ich das damals getan, wäre es nicht passiert. Also, dass was schief läuft, war mir schon klar.

    Mod: Also, im Grunde der Apell: Auf die eigene Emotion zu hören und auf das eigene gute Gefühl,
    auf den eigenen Bauch wirklich zu achten, wenn man den Eindruck hat, da versucht dich einer jetzt psychisch zu beeinflussen. Wir wollten heute mal zum einen ein Gespür dafür kriegen: Wer ist Scientology eigentlich, vor allen Dingen wie gerät man da rein, und: Wie kommt man letzten Endes auch möglicherweise wieder raus. Das ist in gewisser Weise gelungen, in gewisser Weise ganz offensichtlich immer noch nicht und das unterstreicht einmal mehr, wie gefährlich diese Sekte, diese Psycho-Kirche tatsächlich ist.
    Danke sehr herzlich für den Besuch in der Sendung. Elka Clevé, Frau Clevé, auch Herr Handl, danke schön!

    === End ==========
  2. dispart Member

    Re: Transkript: "In den Fängen von Scientology"

    Thanks for the transcript so far. This is a first draft of a translation of some part of the program, currently until the 20 minute mark. The post is going to be updated as new translations come in. Any corrections or alternative drafts are of course welcome.

  3. dispart Member

    Re: Transkript: "In den Fängen von Scientology"

    So here's the transcript for part 5, based on the draft by Anonnona007. The rest of the translation draft will be in another post.

  4. dispart Member

    Re: Transkript: "In den Fängen von Scientology"

    Here's the continuation from post #2 in this thread. This concludes the first draft. Any alternative versions or corrections are of course welcome. As are any attempts to turn this into subtitles.

Share This Page

Customize Theme Colors

Close

Choose a color via Color picker or click the predefined style names!

Primary Color :

Secondary Color :
Predefined Skins